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Wissen Sie, was eine "Fachkraft für aktives Mitarbeitervermeidungs-Management" ist?



Nicht?

Wir zugegebenermaßen bis vor Kurzem auch nicht. Es gab jedoch immer wieder Personen, die zu so einer Stellenbeschreibung passen würden. Bloß diesen Jobtitel gab es so konkret noch nicht.

Also haben wir einmal unsere Erfahrungen mit den Personen gesammelt, die in dieses Raster fallen würden, und uns überlegt, wie man sie und ihre Tätigkeit am besten in einer Jobbeschreibung zusammenfassen könnte.

 

Kurz vorab: der folgende Text ist humorvoll gemeint. Er soll gleichzeitig amüsieren, informieren und den ein oder anderen etwas aufrütteln, wenn er befürchtet Angestellte zu beschäftigen, die zu dieser Gruppe gehören.

 

Die Position als "Fachkraft für aktives Mitarbeitervermeidungs-Management" findet man häufig in Abteilungen, die die Befugnis haben Mitarbeitereinstellungen vorzunehmen. Je nach Unternehmensumstellung und -struktur kann es sich auch um eine Führungskraft mit Mitarbeiter- oder Recruiting-Verantwortung handeln.

 

 

Der typische Arbeitsablauf und damit die Tätigkeiten einer Fachkraft für aktives Mitarbeitervermeidungs-Management (kurz FaM) sehen wie folgt aus:

 

·       „Oh schau mal, eine Bewerbung liegt im Posteingang. Wir lassen die erstmal ein oder zwei Wochen liegen, da wir ja als Arbeitgeber auf „wählerisch“ machen müssen.

·       Bei unserer Bewerberhotline muss immer das Besetztzeichen ertönen oder es klingelt durch und niemand geht ran, da es bei uns schwierig ist reinzukommen und wir unnahbar sind.

·       Statistisch betrachtet wird ein Lebenslauf innerhalb von zwei Minuten überflogen. Wir bekommen das noch schneller hin: Hierzu nutzen wir die Suchfunktion, um zu sehen, wie häufig zum Beispiel das Wort „Bauleitung“ im Lebenslauf vorkommt. Wird uns dies weniger als fünf Mal angezeigt, scheint der Bewerber für uns nicht interessant zu sein.

·       Der Kandidat hat unter Hobby seine Familie angegeben. Das könnte ein Indiz sein, dass er wohl zu wenig Zeit auf der Arbeit verbringen wird. Leider passt er damit nicht in unser Raster.

·       Nun haben wir jemanden gefunden, der ausreichend oft das Wort „Bauleiter“ im Lebenslauf hat und Hobbys nachgeht, die wenig Zeit beanspruchen. Wir machen mal ein erstes Kennenlernen aus.

·       Das erste Kennenlernen darf natürlich erst in 4-6 Wochen stattfinden, denn der Bewerber soll etwas hingehalten werden und es soll der Eindruck entstehen, dass wir viele Bewerbungen erhalten und ein attraktiver Arbeitgeber sind.

·       Unser Bewerbungsgespräch ist natürlich psychologisch aufgebaut, da es essentiell ist zu wissen wie der Bewerber wirklich tick. Unsere vorbereiteten Standardfragen sind daher: „Wenn Sie eine Farbe währen, welche wären sie dann?“ oder „Welchem Tier ähneln Sie am meisten?“ oder „Wie sieht Ihre Amazon Wunschliste aus?“ Fachliches ist im ersten Schritt zweitrangig, es steht ja schließlich schon 5 mal Bauleiter im Lebenslauf, das dürfte er dann hinbekommen.

·       Bei unseren psychologisch tiefgreifenden Fragen haben wir eine genaue Antwortpalette, mit der wir die wahre Persönlichkeit hinter dem Bewerber bestimmen können. So wissen wir zum Beispiel, dass er sehr gut zu uns passt, wenn er sich selbst als die Farbe Blau betrachtet, einem Adler ähnelt und seine Amazon-Wunschliste voll mit Makita Werkzeugen ist. Den laden wir zum nächsten Gespräch ein.

·       Der nächste freie Termin für ein Zweitgespräch ist in vier Wochen um 09:30 Uhr an einem Mittwochmorgen. Der Kandidat will ja zu uns, also muss er die Zeit so annehmen. Außerdem bin ich im Urlaub und bevor ich einem Kollegen mitgebe, was wir schon alles besprochen haben, übernehme ich das Gespräch lieber selbst.

·       Im zweiten Gespräch sprechen wir erstmal über meinen Urlaub, wie das Essen war und wie schön die Unterkunft gelegen war. Und natürlich noch ein, zwei Fragen an den Bewerber, also sein Gehaltswunsch und sein Starttermin. Ich setze voraus, dass der Bewerber auch auf meinen Urlaub eingeht, denn das zeugt von Interesse am Gegenüber.

·       Das zweite Gespräch lief ebenfalls überraschend gut und wir können uns vorstellen ihm ein Angebot zu machen. Selbstverständlich dauert es bis so ein Vertrag geschrieben wird. Wir müssen schließlich unsere Vorlage anpassen, die Adresse und das Gehalt ändern und eventuell muss ja noch jemand anderes hier eine Zusage geben. Also realistisch kann er in drei Wochen mit einem Entwurf per Mail rechnen und wenn dieser passt, dann bekommt er eine Woche später den Vertrag per Post zugesendet.

·       Vier Wochen später dann unerwartet diese Rückmeldung vom Bewerber: „Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihr Vertragsangebot, leider habe ich mich für eine andere Firma entschieden. Ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Bewerbungsprozess noch viel Erfolg.“ Unglaublich, der Bewerber hat sich wirklich für eine andere Firma entschieden und das, obwohl wir uns so viel Zeit genommen haben für ihn und sogar extra einen Vertrag erstellt haben. Wirklich undankbar die Kandidaten heutzutage….

 

Wie Jonathan Frank in X-Faktor immer am Ende fragt: Wenn Sie glauben diese Geschichte ist erfunden? Dann muss ich Sie leider enttäuschen, dies ist genauso passiert… - oder zumindest so ähnlich kommt es immer wieder vor.

 

 

Der richtige Umgang mit FaMs

 

Sollten Sie selbst eine FaM beschäftigen und sich wundern, weshalb Sie seit Wochen oder Monaten keinerlei Bewerbungen weitergeleitet bekommen oder neue Mitarbeiter einstellen, raten wir Ihnen sich einmal mit uns zu unterhalten.

 

In der Vergangenheit haben wir in Fällen von FaMs immer aktiv nachgefragt. Sollte es dann einer der oben genannten Gründe gewesen sein, weshalb der Kandidat nicht zu einem Gespräch eingeladen wird, haben wir Denkanstöße mitgegeben, um den Bewerber doch noch kennenzulernen. Meist verstehen sie dann die Begründung und revidieren ihre schnelle und vorzeitige Ablehnung.

 

Alleine in diesem Jahr ist es mehrfach vorgekommen, dass Kandidaten auf den ersten Blick abgelehnt worden sind, dann aber doch nach Rücksprache eingeladen wurden und heute hervorragende Arbeit leisten, teilweise weit bessere als ihre „auf dem Papier optimalen Kollegen“.

 

Ob Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder selbst FaM, melden Sie sich gerne bei uns und wir sehen, wie wir Sie am besten unterstützen können.

Ob mit neuen Mitarbeitern, einem neuen Job oder einer ausführlichen Beratung, warum man nicht zu vorschnell Nein sagen sollte und auch nicht ganz gradlinigen Lebensläufe und den Menschen dahinter eine Chance geben sollte.

 

Sie erreichen uns unter n.nagel@kqbus.de.

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